Christian Walder: Interview mit Suedtirols Knigge Trainer

Christian Walder ist Südtirols erster zertifizierter Knigge Trainer. Er ist vielen Südtirolern auch als Fachlehrer an der Landesberufsschule Gutenberg, als langjähriger Präsident des Service Verbandes Südtirols, Vorstandsmitglied der Sommelier Vereinigung, Referent verschiedener Kochkurse und Weinseminare, Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben der Gastronomie und als Publizist, bekannt.
 
Heute gibt er uns einen Einblick in den Beruf des Knigge Trainers. Dieser Job ist im Ausland (besonders in den USA) weit verbreitet, in Südtirol jedoch noch eine Seltenheit. Andere Berufsbezeichnungen für diesen Job sind “Trainer der guten Manieren”, “Etikette Trainer” oder “Benimm Trainer”. 
 
Karin Schroeck-Singh: Herr Walder, was macht ein Knigge Trainer?
 
Christian Walder: Ziel eines Knigge Trainers ist es, interessierten Menschen die Regeln des sozialen Zusammenlebens zu erklären und im besten Falle weiterzugeben. Im Privatleben kann ein faux pas als peinlich empfunden werden, im Berufsleben dagegen könnte er unter Umständen sogar der Karriere schaden. 
 
 
Karin Schroeck-Singh: Was sind die Ausbildungsmöglichkeiten eines Benimm Trainers im deutschsprachigen Raum? 
 
Christian Walder: Ich hatte das Glück beim „Meister seines Faches“ zu lernen. Dr. Hans Michael Klein leitet die Knigge Akademie auf Schloß Eringerfeld in der Nähe von Paderborn in Deutschland. Vor 3 Jahren haben wir Dr. Klein über die Sommeliervereinigung nach Südtirol zu einem Seminar eingeladen. Diese einmalige Chance habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen und mich gleich zum Kniggetrainer ausbilden lassen. Natürlich gibt es auch noch andere Institute, welche eine Ausbildung zum Knigge Trainer anbieten. 


Karin Schroeck-Singh: Erzählen Sie mir bitte mehr über den Knigge Kurs von Herrn Dr. Hans-Michael Klein, an dem Sie teilgenommen haben. (Dauer des Kurses, Anzahl der Stunden, Themenschwerpunkte, Kursgebühren, Prüfung, Anzahl der Teilnehmer, was Sie besonders an diesem Kurs geschätzt haben)? 
 
Christian Walder: Hier muss ich nun etwas differenzieren. Wir, die Sommeliervereinigung Südtirol, haben damals Dr. Klein nach Südtirol geholt um einige Seminare in ganz Südtirol anzubieten. Diese Möglichkeit hat der Vorstand genutzt um sich selbst zum Trainer ausbilden zu lassen. Da die Zeit knapp war, haben wir uns dann auch samstags und sonntags auf die Prüfung vorbereitet. Diese Möglichkeit wird es in Südtirol in dieser Form aller Voraussicht nach nicht mehr geben. Die interessierte Person müsste diese Ausbildung zum Knigge Trainer somit im Ausland belegen. Die Dauer des Kurses beträgt in der Regel vier Tage mit 31 Gesamtstunden. Die Seminarkosten belaufen sich auf ca. 2.000.- Euro. Am Ende des dritten Tages erhält man das “Trainer-Zertifikat” der Knigge-Akademie, am Ende des 4. Tages das Zertifikat “Trainer für Business-Etikette”, das von der IHK Düsseldorf ausgestellt wird. In unserem Kurs waren wir acht Teilnehmer, aber diese Zahl kann bei anderen Kursen variieren. Da Herr Dr. Klein auch als Buchautor bekannt ist, waren seine Bücher, wie z.B. “Knigge modern”, Teil des Kursmaterials. Die Vortragsweise des Herrn Dr. Klein ist das, was ich am Kurs am meisten geschätzt habe. Es war abwechselnd witzig, professionell und absolut kurzweilig. Kein Wunder, dass Herr Dr. Klein mit seiner Knigge Show so erfolgreich unterwegs ist, und vielen sicherlich aus Auftritten im deutschen Fernsehen, wie bei Cindy aus Marzahn, bekannt ist.  
 
 
Karin Schroeck-Singh: Was sind die Voraussetzungen für diesen Beruf? 
 
Christian Walder: Im Prinzip keine. Nichtsdestotrotz kommt einem eine gastronomische Ausbildung und die Arbeitserfahrung in verschieden Luxushotels in Europa zugute. Dort lernt man den sicheren Umgang mit der High Society, was natürlich nicht heißen soll, dass dieses Publikum immer stilsicher auftritt. 


Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die positiven Seiten dieses Jobs?
 
Christian Walder: Ich finde diesen Job äußerst interessant. Einerseits hat die Erwachsenenbildung den großen Vorteil, dass die Teilnehmer „freiwillig“ kommen und andererseits gestaltet sich diese Arbeit als sehr abwechslungsreich, da man es ständig mit anderen Menschen zu tun hat. 
 
 
Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die negativen Seiten dieses Jobs? 
 
Christian Walder: Hier gilt es zu bedenken, dass man oft unterwegs ist und gegebenfalls auch mal auswärts schlafen muss. Weiters sind Seminare am Abend, welche auch mal bis Mitternacht dauern können, keine Seltenheit. Beides würde mich berufsbedingt nicht stören, aber ich weiß aus Erfahrung, dass diese beiden Punkte nicht jedermanns Sache sind, vor allem, wenn man schon eine eigene Familie hat. 
 
 
Karin Schroeck-Singh: Was kann man als Knigge Trainer in Südtirol verdienen? 
 
Christian Walder: Das ist eine schwierige Frage. Da ich selbst in verschiedenen Bereichen tätig bin, setzte ich es mir nie zum Ziel nur als Knigge Trainer zu arbeiten. Es macht natürlich einen Unterschied, ob man ein kleines Programm am Abend anbietet, an dem sich Jung und Alt berieseln lassen, oder ob man ein Seminar für ein Unternehmen zusammenstellt. Im letzteren Falle könnte es sein, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens auf dem asiatischen Markt Kunden betreuen müssen, bei dem es unter Umständen um Millionen geht. Mann kann – je nach Aufwand – von einer Bandbreite zwischen 350 Euro und einigen tausend Euro sprechen.  
 
 
Karin Schroeck-Singh: Welche fünf Tipps würden Sie einer Person geben, die den Beruf des Etikette Trainers ergreifen möchte?
 
Christian Walder: Ich betrachte die folgenden Eigenschaften als wichtig: Kontaktfreudigkeit, Einfühlungsvermögen, Branchenkenntnis, Redegewandtheit und Fachkenntnis.  
 
 
Karin Schroeck-Singh: Glauben Sie es braucht viel Überzeugungskraft, Südtiroler dazu zu bewegen an einem Benimm Seminar teilzunehmen? 
 
Christian Walder: Sicherlich. Im Privatbereich ist nämlich nur den wenigsten bewusst, wie sich das eigene Verhalten auf das direkte Umfeld auswirkt. Im Business Bereich dagegen haben wir einen Mangel an vielen Unternehmen, die international tätig sind. 
 
 
Karin Schroeck-Singh: Welche Art von Kunden hatten Sie bisher (Individuen, Firmen, mehr Frauen oder Männer, welcher Altersklasse)? 
 
Christian Walder: Ich hatte in meinen Kniggekursen sehr unterschiedliche Teilnehmer. Ich kann sagen, dass quer durch die Bank – im wahrsten Sinne des Wortes – alles dabei war: von der Deutschen Bank bis hin zu Schulklassen, vom Kleinkind bis zur Oma. 
 
 

Karin Schroeck-Singh: In welchem Bereich der guten Manieren, glauben Sie persönlich, haben Südtiroler den größten Aufholbedarf: Tischmanieren? Sich richtig zu kleiden? Small Talk und sich vorstellen? Online Knigge? Büro Knigge? Oder in einem anderen Bereich?   

 
Christian Walder: Ich glaube nicht, dass man diese Defizite nur in Südtirol antrifft, sondern überall. Ich würde sagen, dass die Tischmanieren sicherlich bei den meisten zu wünschen übrig lassen. Zum Glück sind sich die meisten ihrer Fehler nicht bewusst und ich habe immer was zum Schmunzeln, wenn ich andere beim Essen beobachte. 
Erlauben Sie mir an dieser Stelle ein Beispiel zu nennen: das Benützen des Handys im Restaurant, das heutzutage absolut unerwünscht ist. Nicht ohne Grund gilt in den Top Restaurants und Bars in aller Welt ein Handyverbot. Aber auch beim Umgang mit Messer und Gabel scheinen viele in der Schule nicht aufgepasst zu haben. In der Onlinewelt sehe ich ganz massiven Aufholbedarf. In diesem Bereich habe ich schon alles erlebt: falsch geschriebene Namen, verspätete oder gar keine Antworten, Rechtschreibfehler und Abkürzungen, wo keine hingehören. Wir sprechen hier natürlich nicht über private sondern berufliche Emails. Zu den Themen der richtigen Kleiderwahl (ist man over- oder underdressed?)  oder Smalltalk (über Krankheiten sprechen) könnte man ganze Bücher füllen.


Karin Schroeck-Singh: Wie sehen Sie die Zukunftschancen dieses Berufes in Südtirol?
 
Christian Walder: Ich glaube, dass in Südtirol für ein oder zwei hauptberufliche Knigge Trainer sicherlich Platz wäre. 
 
 
Karin Schroeck-Singh: Was war Ihre beste persönliche Erfahrung in diesem Job? 
 
Christian Walder: Meine Persönlichkeit begünstigt diesen Beruf natürlich und jeder der mich kennt kann dies bestätigen. Ich hatte bis jetzt durchwegs nur positive Erfahrungen. Dass man es nie allen recht machen kann, versteht sich von selbst, aber so was geht an einem nach fast 30 Jahren Berufserfahrung völlig spurlos vorüber. Ich freue mich dennoch immer über konstruktive Kritik.  
 
 
Karin Schroeck-Singh: Gibt es eine besonders erinnerungswürdige (positive oder negative) Episode aus Ihrer Tätigkeit als Knigge Trainer, die Sie gerne den Lesern mitteilen möchten? 
 
Christian Walder: Es ist vielleicht keine große Geschichte, aber sie spiegelt das wieder, was ich als Knigge Trainer gar nicht vermitteln möchte. Bei einem Seminar zum Thema Essen vor einigen Jahren, benutzte ich, um die Anwesenden zu „schockieren“, das Wort „fressen“. Nach dem Seminar kam eine Frau zu mir und fragte mich, ob ich denn nicht wisse, dass man ein solches Wort nicht in den Mund nehme, schon gar nicht als Knigge Trainer. Ich habe mich bei der Dame dafür entschuldigt, dennoch hat sie den Veranstalter darüber in Kenntnis gesetzt. Was ich damit sagen möchte? Im Knigge geht es nicht darum stocksteif und nach einem gewissen Protokoll zu handeln, sondern darum die Privatsphäre eines jeden zu achten um so ein Zusammenleben zu ermöglichen. Wer meint mit einem einfachen “danke” oder “bitte” oder mit dem Öffnen der Tür aus dem Schneider zu sein, der irrt. Und wer dazu nicht imstande ist, hat sowieso schlechte Karten. 
 
 
Karin Schroeck-Singh: Was würden Sie einem Jobeinsteiger empfehlen? 
 
Christian Walder: Wenn Sie den Knigge Trainer als Jobeinsteiger meinen, dann glaube ich nicht, dass jemand der seine Matura gerade abgeschlossen hat und die Ausbildung zum Knigge Trainer absolviert, allein damit Erfolg haben wird. Einige Jahre an Lebenserfahrung sind absolut von Vorteil, wenn nicht Bedingung. Sollte sich dann jemand dazu entschließen einzig und allein nur diesen Beruf auszuüben, so wären einige Jahre im Ausland nicht zu verachten, um später vielleicht dann diesen wundervollen Beruf in Südtirol auszuüben. 

Wenn Sie dagegen jeden x-beliebigen Jobeinsteiger meinen, dann würde ich  jedem empfehlen zumindest einen Kniggekurs zu besuchen, es muss ja nicht sofort zu einer Trainerausbildung führen. Das Leben ist wesentlich einfacher wenn man für jegliche Situation gerüstet ist und man weiß wie man sich zu verhalten hat, ohne dabei ins Fettnäpfchen zu treten. 



Karin Schroeck-Singh: Herr Walder, vielen Dank für Ihre wertvolle Zeit und die interessanten Einsichten, die Sie uns in diesen Beruf gewährt haben. 


Author: Karin Schroeck-Singh

Karin Schroeck-Singh is a trilingual Career Optimizer at www.Careerheads.com. She has an MBA from the University of Leicester (UK) and gained 20 years of international work experience in various industries in Italy, the UK and India. Her passion lies in creating multilingual, high-quality content in career matters, giving highly engaging public speeches and helping job seekers to optimize their career by providing professional coaching. She is the author of several ebooks, among them “44 Tips for a successful Video Interview” (http://careerheads.com/product/ebook-44-tips-for-a-successful-video-interview/). She has written several career and business articles for international HR and Marketing companies. Her favourite motto is “Learn from anyone, anywhere, anytime!” Follow her on Twitter @CareerHeads.

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