Dr. Thomas Schnitzer : Interview mit einem Rechtsanwalt/Experten im Internetrecht

thomas schnitzer Herr RA Dr. Thomas Schnitzer von der Anwaltskanzlei Theil & Schnitzer in Meran (http://www.schnitzer.it) hat sein Rechtsstudium in Innsbruck und Padova absolviert. Dem folgte eine postgraduale Zusatzausbildung in Europarecht (LL.M.). Er ist Co-Autor des Fachbuchs “Internetrecht”, ein Buch das jenen rechtlichen Rahmen behandelt, dem alle Staaten der EU im elektronischen Geschäftsverkehr, im Domain-Recht und im Bereich der elektronischen Signaturen u.a.m. unterworfen sind. Er findet sich auch regelmäßig mit fachlichen Interviews in Südtiroler Medien.

Interview mit Rechtsanwalt Dr. Thomas Schnitzer

Karin Schroeck-Singh: Herr Dr. Schnitzer, was macht ein Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht?

Dr. Thomas Schnitzer: Ich berate meine Mandanten bei allen rechtlichen Fragestellungen, die mit dem Internet zusammenhängen. Das kann mit Domainanmeldungen, Nutzungsbedingungen, Markenrechten oder auch mit dem Impressum zu tun haben.

Karin Schroeck-Singh: Wie sind Sie Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht geworden?

Dr. Thomas Schnitzer: Grundstock meiner Ausbildung zum Rechtsanwalt bildet natürlich das klassische Jurastudium in Innsbruck und Padova. Dem Anwaltspraktikum in großen Wirtschaftskanzleien in Mailand und Bozen folgte anschließend das postgraduale Masterstudium in Europarecht. Diese fachliche Basis hat mir ein konsequentes Selbststudium der rechtlichen Materie im Bereich des Internetrechts und des Datenschutzes ermöglicht, welches dann auch in der Veröffentlichung des Fachbuchs über Internetrecht mündete. Durch dieses wiederum wurde ich für zahlreiche Vortragsreihen von Unternehmen engagiert und auch an die Uni Bozen geladen. Der steigende Bekanntheitsgrad bildete dann den Grundstein für die Eröffnung einer eigenen Anwaltskanzlei in Meran.

Karin Schroeck-Singh: Wie viele Jahre Erfahrung haben Sie in diesem Bereich?

Dr. Thomas Schnitzer: Ich war einer der ersten an der Universität mit einem Internetanschluss und konnte so die Entwicklung dieses neuen Mediums von Anfang an miterleben. Mit den rechtlichen Aspekten des Internets setze ich mich nun konkret seit ca. 15 Jahren und gerichtlich seit meiner Zulassung als Rechtsanwalt vor ca. 10 Jahren auseinander.

Karin Schroeck-Singh: Was sind die Ausbildungsmöglichkeiten eines Experten für Internetrecht?

Dr. Thomas Schnitzer: Ich erachte eine fundierte universitäre rechtliche Ausbildung, idealerweise bis zum Rechtsanwalt, für notwendig. Für das Erlernen der technischen Basis empfehle ich Kurse über die aktuellen Standards bzw. im Idealfall ein zweites Studium in Informatik und natürlich das sichere Beherrschen der englischen Sprache.

Thomas Schnitzer Karin Schroeck-Singh: Was war das Wichtigste, das Sie während Ihres Studiums gelernt haben, das Sie später in Ihrer beruflichen Laufbahn besonders geschätzt haben?

Dr. Thomas Schnitzer: Analytisch zu denken und sich einer neuen fachlichen Problematik zu stellen.

Karin Schroeck-Singh: Was sind die Voraussetzungen für diesen Beruf? Welche Art von Persönlichkeit muss man dazu haben?

Dr. Thomas Schnitzer: Aufgrund der laufenden Erneuerungen muss man als Rechtsanwalt sehr fleißig sein und sich ständig weiterbilden und sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Als Person sollte man offen für neue Problemstellungen sein und den Ehrgeiz haben, diese als Herausforderungen anzusehen. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass man es als Rechtsanwalt in einem modernen Geschäftsverhältnis immer auch mit Menschen zu tun hat. Weniger Konkurrenzdenken und Egoismus und mehr Kooperation und gegenseitige Wertschätzung fördern dabei die Vertrauensbildung.

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die positiven Seiten dieses Jobs?

Dr. Thomas Schnitzer: Man lernt ständig neue, unterschiedliche Menschen kennen, die zusammen mit den im Internet immer wieder neu entstehenden Problematiken, den beruflichen Alltag abwechslungsreich und interessant gestalten.

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die negativen Seiten dieser Tätigkeit?

Dr. Thomas Schnitzer: Die hohe Verantwortung und allgemein die Schnelligkeit, mit welcher man den immer neuen technischen Entwicklungen begegnen muss.

Karin Schroeck-Singh: Was sind die Verdienstmöglichkeiten in diesem Beruf? Was berechnen Sie Ihre Kunden pro Stunde?

Dr. Thomas Schnitzer: Die Verdienstmöglichkeiten hängen wie in den meisten beruflichen Bereichen vom eigenen Einsatz ab. Nur wer durch seinen Fleiß ständig up to date ist, hat die Möglichkeit gut zu werden und entsprechend zu verdienen. Das Stundenhonorar eines Rechtsanwaltes ist in der Regel dreistellig, bei Internetstreitigkeiten erlaube ich mir aufgrund der Komplexität einen kleinen Aufschlag.

Bei hohen Streitwerten ist ein Mandant auch bereit, für kompetente Beratung Geld auszugeben. Ich vereinbare mein Honorar immer gemeinsam mit meinen Mandanten zu Beginn des Geschäftsverhältnisses. Bisher kann ich glücklicherweise behaupten, dass meine Kunden durch meine Intervention immer Vorteile hatten und somit gerne ein Stück des Kuchens abgaben.

Karin Schroeck-Singh: Welche fünf Tipps würden Sie einer Person geben, die den Beruf des Rechtsanwaltes und Experten für Internetrecht ergreifen möchte?

Dr. Thomas Schnitzer: Tipp 1: Das Problem des Mandanten sollte einen wirklich interessieren und man sollte auch beim kleinsten Fall und unabhängig vom eigenen Verdienst vollen Einsatz zeigen. Wenn dieser Ehrgeiz fehlt, dann stumpft man ab.

Tipp 2: Mit jedem neuen Mandant und jedem neuen Fall hat man die Chance besser zu werden.

Tipp 3: Etwas Abstand zum Problem hilft dabei, sich nicht in einer Sackgasse zu verrennen.

Tipp 4: Auch ein Anwalt sollte zwischendurch kreativ sein und neue bisher unversuchte Lösungsansätze ausloten.

Tipp 5: “Stay hungry, stay foolish” (Steve Jobs)

Karin Schroeck-Singh: Wer zählt zu Ihren Kunden (sind es mehr Privatpersonen oder Unternehmen?) Sind auch ausländische Kunden dabei? 

Dr. Thomas Schnitzer: Zu meinen Kunden zählen hauptsächlich Unternehmen, aber auch Privatpersonen. Das Internet hat keine Grenzen bzw. macht naturgemäß keinen Halt vor geographischen Grenzen und genau darin liegt der Reiz.

Karin Schroeck-Singh: Laut Ihrer Webseite liegen Ihre Tätigkeitsgebiete im Bereich des Zivilrechts, Familienrechts, Wirtschaftsrechts, Strafrechts, Internetrechts usw. In welchem dieser genannten Bereiche liegt die höchste Nachfrage?

Dr. Thomas Schnitzer: Internet- und Wirtschaftsrecht gefolgt von (Wirtschafts-) Strafrecht.

Thomas Schnitzer Karin Schroeck-Singh: Thema “Internetrecht”: Was sind typische Probleme, die Sie zu lösen haben? Geht es dabei mehr um Urheberrechte (Copyright), Markenrechte, e-commerce, Domainrecht oder andere Themen? 

Dr. Thomas Schnitzer: Unternehmen benötigen meist Beratung im Bereich des E-Commerce durch z.B. moderne Vertragsgestaltungen. Verletzungen von Persönlichkeitsrechten (privacy, Urheberrechte) und geistigen Eigentumsrechten wie Marken sind auch sehr häufig.

Karin Schroeck-Singh: Wie halten Sie sich in diesem Bereich des Internetrechts ständig am Laufenden?

Dr. Thomas Schnitzer: Durch Kurse, juristische Informationsdienste und konsequentes Selbststudium.

Karin Schroeck-Singh: Wie sehen Sie die Zukunftschancen dieses Jobs als Rechtsanwalt (mit Spezialgebiet Internetrecht) in Südtirol?

Dr. Thomas Schnitzer: Ich würde sagen, der Bedarf steigt und so steigen auch die Arbeitsmöglichkeiten für den Nachwuchs. Ich bin zuversichtlich, auch in Zukunft eine sehr gefragte Dienstleistung als freiberuflich tätiger Anwalt anbieten zu können.

Karin Schroeck-Singh: Was war Ihre beste persönliche Erfahrung in diesem Job?

Dr. Thomas Schnitzer: Als ein junger Unternehmer nach einem ersten Beratungsgespräch freudig meinte: „Endlich habe ich einen Anwalt gefunden, welcher mich technisch versteht, wenn ich ihm meine rechtlichen Probleme schildere!”  Das hat mich bestärkt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Karin Schroeck-Singh: Gibt es eine besonders erinnerungswürdige (positive oder negative) Episode aus Ihrer Tätigkeit als Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht, die Sie gerne den Lesern mitteilen möchten? 

Dr. Thomas Schnitzer: Ein kleines Südtiroler Geschäft wollte seine Waren auch im Internet verkaufen und hatte dabei nicht an die rechtliche Überprüfung gedacht. Abmahnungen aus New York von einem großen Handelsriesen im Briefkasten haben dem innovativen Geschäftsmann die Augen geöffnet, wie naiv er sich an sein geschäftliches Vorhaben gewagt hatte. Wir konnten aber die drohende Millionenklage aufgrund der Verletzung von Markenrechten im Internet erfolgreich abwenden.

Karin Schroeck-Singh: Herr Dr. Schnitzer, vielen Dank für Ihre kostbare Zeit und die interessanten Einblicke, die Sie uns in dieses Berufsbild gewährt haben.

 

Author: Karin Schroeck-Singh

Karin Schroeck-Singh is a trilingual Career Optimizer at www.Careerheads.com. She has an MBA from the University of Leicester (UK) and gained 20 years of international work experience in various industries in Italy, the UK and India. Her passion lies in creating multilingual, high-quality content in career matters, giving highly engaging public speeches and helping job seekers to optimize their career by providing professional coaching. She is the author of several ebooks, among them “44 Tips for a successful Video Interview” (http://careerheads.com/product/ebook-44-tips-for-a-successful-video-interview/). She has written several career and business articles for international HR and Marketing companies. Her favourite motto is “Learn from anyone, anywhere, anytime!” Follow her on Twitter @CareerHeads.

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