Dr. Kathrin Gschleier: Interview mit einer Kommunikationstrainerin

Kathrin Gschleier Kathrin Gschleier – geboren 1973, wohnhaft in Brixen, verheiratet und glückliche Mutter von zwei Söhnen. Sie studierte Theater-, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien, Bologna und Innsbruck. Sie war langjährige Chefdramaturgin bei den Vereinigten Bühnen Bozen. Seit 2008 ist sie freiberufliche Supervisorin, Autorin (u.a. “Mein Südtirol Buch”), Trainerin und Coach. Sie konzipiert und gestaltet Narrative Kommunikation in Brixen. www.gschleier.eu

 

Interview mit Dr. Kathrin Gschleier 

 

Karin Schroeck-Singh: Was gehört zu den Aufgabenbereichen einer Kommunikationstrainerin? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Als Kommunikationstrainerin halte ich in erster Linie Seminare, sei es an Bildungshäusern, sei es in Unternehmen und Organisationen. Die wichtigsten Aufgaben einer Trainerin sind die Zielvereinbarungen mit den Kunden zu den Seminarinhalten, die Vorbereitung der Trainings, die Leitung des Seminars und die Nachbereitung. Doch geht es meines Erachtens nicht nur darum, Inhalte zu vermitteln, sondern auch auf das Wohlbefinden der Gruppe zu achten und zu hoffen, dass die Inhalte nachhaltig wirken.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Was sind die Voraussetzungen, um den Beruf der Kommunikationstrainerin erfolgreich auszuüben? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Dazu gehören sicherlich soziale und psychologische Fähigkeiten wie Freude im Kontakt mit Menschen, Begeisterung für Sprache und Rhetorik, aber auch die Kunst, Gruppen zu leiten und Wissen/Werte zu vermitteln. Mir persönlich hat dafür nicht nur mein Studium der Kommunikationswissenschaft das Basiswissen an Kommunikation mitgegeben, sondern im Rahmen der Theaterwissenschaft habe ich Lust am Präsentieren, am Kommunizieren und am Interagieren mitgenommen.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Wie viele Jahre Arbeitserfahrung haben Sie in diesem Bereich mittlerweile gesammelt? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Kommunikationstrainerin bin ich seit nunmehr 6 Jahren, vorher war ich Dramaturgin bei den Vereinigten Bühnen Bozen am hiesigen Stadttheater. In dieser Zeit habe ich wohl die wichtigsten Erfahrungen im Bereich Kommunikation und Beratung gesammelt, zumal ich einerseits mit Künstlern (RegisseurInnen, SchauspielerInnen), andererseits mit Jugendlichen (Schulklassen) viel in Kontakt war.

 

Kathrin Gschleier Karin Schroeck-Singh: Was sind die Ausbildungsmöglichkeiten einer Kommunikationstrainerin? Sie haben diverse Ausbildungen in Italien, Deutschland und Österreich absolviert, würden Sie jemandem eine ähnliche Ausbildung (im In- und Ausland) empfehlen und warum?

 

Dr. Kathrin Gschleier: Die Ausbildungsmöglichkeiten als Kommunikationstrainerin sind sehr unterschiedlich. Es gibt sowohl einjährige Ausbildungen in Form eines Lehrgangs, es gibt aber auch fundiertere Ausbildungen in Form eines Master-, Magister- oder Doktoratsstudiums. Je fundierter eine Ausbildung, desto umfassender die Bandbreite an Themen, die eine Kommunikationstrainerin anbieten kann. Nach meinem Grundstudium habe ich mich stetig weiter gebildet. Diese Ausbildungen haben mir die Möglichkeiten gegeben, mein Wissen zu erweitern und zu aktualisieren, interessante Kontakte zu knüpfen, aber auch neue Methoden kennen zu lernen. Das kann ich jede/r Trainerin nur empfehlen.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Was war das Wichtigste, das Sie während Ihrer Ausbildung gelernt haben, das Sie später in Ihrer beruflichen Laufbahn besonders geschätzt haben? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Hm, das wohl Wichtigste in meiner Ausbildung war, mich immer wieder neuen Menschen, Methoden und “Schulen” zu öffnen, immer wieder einem neuen sozialen Umfeld zu begegnen. Gelernt habe ich während meiner beruflichen Laufbahn aber auch eine Fülle an Methoden, die ich jetzt unter “narrative Kommunikation” anbieten kann.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Was verstehen Sie unter “Narrative Kommunikation”? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Narrativ (= lat. erzählen) kommunizieren beinhaltet das Denken, Erleben und Interagieren in Bildern, Geschichten und Ritualen. Narrative Kommunikation ist aber nicht nur ein ganzheitliches Kommunikationsmodell, sondern auch ein systemischer Ansatz. Denn Bilder, Geschichten und Rituale berücksichtigen nicht nur den einzelnen Mensch, sondern auch sein soziales Umfeld und seinen Kontext.

 

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die positiven Seiten dieses Jobs? 

 

Kathrin Gschleier Dr. Kathrin Gschleier: Positiv sind sicherlich die vielen interessanten Menschen, die ich im Laufe meiner Tätigkeit kennen gelernt habe. Besonders berührend sind die vielen Biografien und Geschichten meiner TeilnehmerInnen, wovon jede Geschichte Besonders ist.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die negativen Seiten dieser Tätigkeit? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Als negativ habe ich eine Zeitlang erlebt, dass die Begegnungen nur sehr kurzweilig sind. Das ist auch der Grund, warum ich schließlich eine Supervisions-Ausbildung absolviert habe, um Einzelpersonen und Gruppen kontinuierlich in Veränderungsprozessen zu begleiten.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Was sind die durchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten für diesen Beruf in Südtirol?

 

Dr. Kathrin Gschleier: Die Verdienstmöglichkeiten variieren ebenso stark wie die Ausbildungen. Je nach Qualifikation steigt das Niveau und damit der Verdienst. Das Tageshonorar einer Kommunikationstrainerin bewegt sich meines Wissens zwischen 300 Euro und 1.500 Euro.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Welche 5 Tipps würden Sie einer Person geben, die den Beruf des Kommunikationstrainers ergreifen möchte? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: 1. Lerne das, wofür du dich selbst begeistern kannst, denn damit kannst du auch andere Menschen begeistern. 2. Habe Freude am Lesen, Zuhören, an Sprache und sozialem Miteinander. 3. Verlass dich nicht nur auf deinen Verstand, sondern auch auf dein Gefühl und handle danach. 4. Sei offen für jede Art von zwischenmenschlicher Situation, sie sind dein Lernfeld für deinen späteren Beruf. 5. Reise und kommuniziere, denn dadurch lernst du nicht nur Sprachen und verbale Kommunikation kennen, sondern beobachtest auch die nonverbale Körpersprache von Menschen verschiedener Kulturen.

 

 

KarinSchroeck-Singh: Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten für diesen Beruf in Südtirol? 

 

Kathrin Gschleier Dr. Kathrin Gschleier: Soweit ich mir erlauben kann, ohne magische Glaskugel in die Zukunft zu blicken, sehe ich für Kommunikationstrainer in Südtirol noch viele Möglichkeiten. Wie überall auf der Welt ist Teamfähigkeit gefragt und die Fähigkeit, sich je nach Kontext situationsgerecht zu verhalten. Hierbei ist sicherlich der Bereich Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Andererseits bewegen wir uns auch in Südtirol in globalen Märkten, in denen Selbstmarketing und Rhetorik absolut notwendig sind. Dementsprend vielfältig kann auch der Kommunikations-Markt sein.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Glauben Sie, dass in Südtirols Schulen bzw. Unternehmen ein genereller Aufholbedarf an guten zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeiten besteht? Ich würde es z.B. als sehr sinnvoll erachten, wenn Schulen ein Pflichtprogramm einführen würden, in dem man jungen Leuten die wirksame Kommunikations- bzw. konstruktive Gesprächsführung beibringt (und dies aufgrund der besonderen Situation in Südtirol in drei Sprachen!). Was wäre Ihre persönliche Meinung dazu?

 

Dr. Kathrin Gschleier: Da bin ich voll und ganz bei Ihnen. Ich habe bewusst in den letzten Jahren den Schwerpunkt auf zwischenmenschliche Kommunikation gelegt und auch in Schulen gearbeitet, da soziale und psychologische Aspekte des Alltags im Fachunterrricht meines Erachtens zu wenig berücksichtigt werden. Das betrifft nicht nur die Grund- und Mittelschulen, sondern auch Oberschulen bis hin zu Universitäten und Fachausbildungen.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Nehmen wir an, ein Bekannter von Ihnen hat kürzlich aufgrund mangelnder Kommunikationsfähigkeiten seinen Job verloren. Welches Buch zum Thema “Kommunikation am Arbeitsplatz” würden Sie ihm persönlich empfehlen? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Diesen Bekannten würde ich am Liebsten persönlich coachen. Das deshalb, um herauszufinden, worin die konkreten mangelnden Kommunikationsfähigkeiten bestehen und individuell an seiner Kommunikation zu arbeiten. Wenn mein Bekannter sich aber trotzdem persönlich weiterbilden oder sein Wissen diesbezüglich vertiefen möchte, würde ich ihm die Bücher von Schulz von Thun empfehlen. Sie sind einfach, praxisnah und unterhaltsam geschrieben.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Gibt es eine besonders erinnerungswürdige (positive oder negative) Episode aus Ihrer beruflichen Laufbahn, die Sie gerne den Lesern mitteilen möchten? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Ich erinnere mich an ein Seminar im Auftrag der Provinz Bozen, in dessen Rahmen ich den Vorschlag machte, mit konkreten Praxisbeispielen aus dem Berufsalltag zu arbeiten. Kaum hatte ich den Vorschlag unterbreitet, war Stille im Raum. Ich wartete und das Schweigen hielt weiter an. Schließlich meldete sich ein mutiger Teilnehmer mit einem Vorschlag und einige wenige folgten seinem Beispiel. Wir übten und arbeiteten mit Rollenspielen, wobei ich den Eindruck hatte, dass die Gruppe vom Austausch sehr profitierte. Im Anschluss aber kam eine Teilnehmerin auf mich zu und meinte: “Sie müssen wissen, wir kennen uns alle irgendwie, da gibt man nicht gerne etwas von sich preis”. Dieser Umstand erschreckte und verwunderte mich, zumal ich Fehlerkultur und gegenseitiges Lernen bis dato anders gekannt hatte.

 

Karin Schroeck-Singh: Wer gehört zu Ihren Kunden? Handelt es sich dabei vorwiegend um Unternehmen/öffentliche Institutionen oder Privatpersonen? Mit welchen Anliegen kommen diese zu Ihnen? Worin liegt der gröβte Bedarf sich zu verbessern, in der schriftlichen, non-verbalen oder mündlichen Kommunikation? 

 

Kathrin Gschleier Dr. Kathrin Gschleier: Meine Kunden kommen sowohl aus dem öffentlichen, als auch aus dem privatwirtschaftlichen Bereich. Manchmal kommen die Kunden mit Anfragen zur Vermittlung des Basiswissens an Kommunikation. Meist kommen sie aber mit konkreten Anliegen, wie etwa bei Konflikten, dem Wunsch nach verbessertem Betriebsklima oder einige Führungskräfte möchten ihren MitarbeiterInnen einfach mal “was Gutes tun”. Meines Erachtens liegt der Bedarf in allen drei Bereichen, schriftlich, wenn es um den sinnvollen Umgang mit Mails geht, non-verbale Kommunikation, wenn es um unausgesprochene unbewusste Körpersignale geht oder um mündliche Kommunikation, wenn es um ein konstruktives Miteinander bei Sitzungen, Besprechungen oder dem Teamalltag geht. Ziel ist es, starke, selbstbewusste, lernfähige, authentische, zufriedene und motivierte MitarbeiterInnen zu haben.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Wir leben in einer Welt, in der der tägliche Umgang mit diversen Technologien selbstverständlich geworden ist. Viele Menschen verbringen oft mehr Zeit mit Freunden via Bildschirm als von Angesicht zu Angesicht. Denken Sie daran in Ihrem Coaching und Trainingsprogramm auch etwas über digitale Kommunikation anzubieten? 

 

Dr. Kathrin Gschleier: Ja, diesen Umstand bemerke ich tagtäglich. Deshalb arbeite ich “dagegen”, sprich bemühe mich um die Förderung der zwischenmenschlichen Kommunikation durch Bilder, Geschichten und Rituale. Bilder sind Ausdruck von persönlichen Innenwelten, Geschichten fördern den unmittelbaren Austausch über sich selbst, während Rituale die soziale Gemeinschaft stärken. Fähigkeiten, die wir durch die abstrakte digitale Kommunikation im anonymen Netz zunehmend vernachlässigen, wonach wir uns aber trotzdem sehnen.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Nehmen wir an man würde Sie bei der Auswahl eines Kommunikationstrainers (in einem Vorstellungsgespräch) zu Rate ziehen. Nun geht es darum 5 fachspezifischen Fragen an den Bewerber zu stellen um den besten Kandidaten zu ermitteln. Was wären Ihre 5 Fragen?

 

Dr. Kathrin Gschleier: Da muss ich jetzt kurz nachdenken… Wahrscheinlich würde ich fragen: Was bedeutet für dich Kommunikation? Welcher Bereich in diesem weiten Feld zieht dich am Meisten an und warum? Welches konkrete Erlebnis, bzw. Erfahrung verbindest du damit? Stell dir vor, du hast eine Gruppe von Teilnehmerinnen zu diesem Thema vor dir. Wie würdest du den Tag mit der Gruppe gestalten? Und für den letzten Punkt würde ich nicht mehr fragen, sondern beobachten, wie sich der Bewerber mir gegenüber und meinen KollegInnen im Laufe des Vorstellungsgesprächs verhält.

 

 

Karin Schroeck-Singh: Vielen herzlichen Dank Frau Dr. Gschleier für Ihre wertvolle Zeit und Ihre interessanten Einblicke in Ihren Beruf. 

 

Author: Karin Schroeck-Singh

Karin Schroeck-Singh is a trilingual Career Optimizer at www.Careerheads.com. She has an MBA from the University of Leicester (UK) and gained 20 years of international work experience in various industries in Italy, the UK and India. Her passion lies in creating multilingual, high-quality content in career matters, giving highly engaging public speeches and helping job seekers to optimize their career by providing professional coaching. She is the author of several ebooks, among them “44 Tips for a successful Video Interview” (http://careerheads.com/product/ebook-44-tips-for-a-successful-video-interview/). She has written several career and business articles for international HR and Marketing companies. Her favourite motto is “Learn from anyone, anywhere, anytime!” Follow her on Twitter @CareerHeads.

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