Markus Frings: Interview mit einem Radio- und Fernsehjournalist

Markus Frings 1 Markus Frings ist gebürtiger Deutscher und hat sich in den letzten Jahren einen Ruf als Radio- und Fernsehjournalist in Südtirol aufgebaut. Seine berufliche Laufbahn beinhaltet das Moderieren, Gestalten und Produzieren von Radio- und TV-Sendungen im In- und Ausland. Er sammelte Berufserfahrungen bei Radio C, trug zum Aufbau des Radionetworks “Südtirol Journal” bei, hatte Aufenthalte in Wien bei der Wirtschaftsredaktion des ORF und nahm als Regiesseur an der Produktion diverser Dokumentar- und Imagefilme teil. Viele SüdtirolerInnen kennen ihn bereits von zahlreichen Radio- und Tv Sendungen wie Radio C Rush Hour, Südtirol Journal Mittagmagazin, Grand Prix der Volksmusik, die Talkshow “privat”, das Magazin “LIFE” und andere mehr. Auch als Redakteur hat er bei ARD, MDR und ORF an verschiedenen Projekten mitgewirkt.

Seine Kompetenz konnte er auch bei der Filmproduktion im Auftrag von verschiedenen internationalen Tourismusverbänden und Marketingagenturen (aus Kanada, Dubai, Hong Kong und Jamaica) und lokalen Südtiroler Verbänden und Unternehmen (LVH, HGV, TIS, AVS, SBJ, SEL, EOS, SMG und diversen Abteilungen der Südtiroler Landesregierung) unter Beweis stellen.

Markus Frings hat zwei Bücher geschrieben und ist Gesellschafter der Moviemento GmbH (eine Agentur für audiovisuelle Kommunikation, www.Moviemento.it) und der TV Produktionsfirma Mediaart Production Coop.

Karin Schroeck-Singh: Herr Frings, was gehört zu den Aufgabenbereichen eines Fernseh- und Radiojournalisten? 

Markus Frings: Im Grunde erzählen wir Geschichten. In Wort und Bild. Ausgenommen jene die in Nachrichten zu sehen oder zu hören sind, geht es dabei um spezifische Fachgebiete wie die Mobilität der Zukunft, neue Umweltaspekte, Kulturthemen, um das Zeitgeschehen und vor allem um Menschen. Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke waren die Themen unserer Arbeit vielfältiger denn je. Vom Dokumentarfilm über einen großen Südtiroler Bergsteiger bis hin zu einer Reportage über die Aufarbeitung des 1. Weltkrieges in Zusammenarbeit mit der Europaregion Tirol. Wir versuchen zu verstehen was die Menschen bewegt und erzählen Geschichten die sie hoffentlich bewegen.

Karin Schroeck-Singh: Was sind die Voraussetzungen für den Beruf des Radio- und TV Journalisten?

Markus Frings: Neugierde, ein Spürsinn für interessante Geschichten und die Fähigkeit diese in Wort und Bild zu packen, so dass sie möglichst spannend und interessant erzählt werden können. Das gilt nicht nur für die TV Programme die wir gestalten. Das gilt auch für den Nachrichtenjorunalisten vom aktuellen Dienst, der ich einmal war aber nicht mehr bin. Um aber eine wirklich gute Geschichte erzählen zu können, muss man sich schon eine Weile damit beschäftigen und nicht nur einen Vormittag lang bei einer Pressekonferenz dabei sein um dann einen 60 Sekunden Bericht über das besprochene Thema  zu gestalten. Ich will das keinewegs abwertend verstanden wissen, sondern damit zum Ausdruck bringen, dass mir persönlich die Arbeit an diversen TV-Programmen mit ihren Schwerpunktthemen mehr Spaß macht als die tägliche Berichterstattung als Reporter für ein lokales Medium.

Karin Schroeck-Singh:  Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach für diesen Beruf die Stimme und eine dialektfreie Sprache?

Markus Frings: In Südtirol wird, anders als in der Schweiz, nach wie vor Wert auf eine mehr oder weniger perfekte deutsche Aussprache gelegt. Wenn hier jemand im Radio und TV arbeitet, sollte er schon “gut Deutsch sprechen können”. Doch da gibt es einen sehr großen Bewertungsspielraum. Wichtiger ist meines Erachtens eine angenheme und authentische Stimme, die neutral und glaubhaft erzählen kann. Das kann man trainieren. Doch die Grundlage einer “schönen Stimme” bekommt man in die Wiege gelegt. Das ist wie bei einem Instrument. Das kann ich lernen, aber ein Virtuose wird nur wer auch das notwendige Talent mitbringt.

 

Markus Frings Karin Schroeck-Singh: Wie sind Sie zum Radio- und Fernsehjournalist geworden und was hat Sie dazu bewogen?

Markus Frings: Ich habe als Kind immer davon geträumt im Radio und im Fernsehen zu arbeiten. Als ich bei einer Theaterproduktion im Gymnasium erste Gehversuche auf der Theaterbühne unternahm, hat mich ein Regisseur der RAI angesprochen, mich zu Probeaufnahmen ins Funkhaus in Bozen eingeladen und so stand ich das erste Mal vor einem Radiomikrophon. Danach folgten diverse Vorsprechen bei einigen Lokalsendern und schlussendlich durfte ich 1990 das erste Mal bei Radio C (den Sender gibt es heute leider nicht mehr) auf Sendung gehen.

Karin Schroeck-Singh: Wie viele Jahre Arbeitserfahrung haben Sie in diesem Bereich mittlerweise gesammelt? 

Markus Frings: Seit 1990 habe ich ununterbrochen bei diversen Sendern gearbeitet und mich 1995 selbständig gemacht. 1999 habe ich dann die Mediaart Production Coop zusammen mit zwei anderen Jorunalisten und Filmemachern gegründet. Der Weg vom Radio zum Fernsehen führte auch wieder über die Rai in Bozen. Anfangs bat man mich als Sprecher Filme zu vertonen, bis ich eines Tages ein TV-Programm selbst moderieren und gestalten durfte. Das Programm “Action”, ein Sport- und Freizeitmagazin, war 12 Jahre lang fester Bestandteil des TV Programms der RAI. Daraus entwickelten sich dann viele andere Konzepte und Sendereihen. Einige werden heute noch von uns produziert und vom Sender ausgestrahlt.

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die besten Ausbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf? 

Markus Frings: Praxis, Praxis und nochmals Praxis. Als ich in diesem Beruf angefangen habe, gab es noch keine Schulen für Radio- und TV Journliasmus, zumindest keine die mit dem heutigen Ausbildungsangebot verglichen werden könnten. Während meiner Zeit beim ORF habe ich sehr viel gelernt und auch die Seminare und Kurse, die ich besucht habe, waren sicherlich sehr wichtig. Doch am Ende habe ich am meisten vom “learning by doing” profitiert.

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die positiven Seiten dieses Jobs? 

Markus Frings: Abwechslung durch Themenvielfalt, Eigeninitiative und ein hohes Verantwortungsbewusstsein für das was man jeden Tag tut.

Karin Schroeck-Singh: Was betrachten Sie als die negativen Seiten dieser Tätigkeit? 

Markus Frings: Die mediale Vielfalt nimmt ständig zu, der Wettbewerb wird härter. Ich glaube es gibt nur wenige Branchen die sich in den letzten Jahren so sehr verändert haben wie die Medienbranche. Aber das ist auch etwas Gutes nicht nur etwas Negatives oder besser gesagt “Anstrengendes”.

Karin Schroeck-Singh: Was sind die durchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten für diesen Beruf in Südtirol?

Markus Frings: Das kommt darauf an wie viel Sie an Ideen umsetzen und wie gut Sie diese an den Mann oder die Frau bringen können. Reich wird man damit jedenfalls nicht. Da hätte ich im selben Zeitraum (seit meiner Selbstständigkeit) als erfolgreicher Banker sicher mehr verdient.

Karin Schroeck-Singh: Welche 5 Tipps würden Sie einer Person geben, die den Beruf des Radio- und Fernsehjournalisten ergreifen möchte?

Markus Frings: Neugierig sein, genau zuhören und hinschauen und es einfach ausprobieren. Das habe ich jedenfalls gemacht und es hat bis jetzt ganz gut funktioniert. Heute gibt es zudem viele Ausbildungsmöglichkeiten und die interessantesten sind sicherlich jene die mit einem Eignungstest beginnen. Wenn man den besteht, hat man den Rest selbst in der Hand.

Karin Schroeck-Singh: Sie sind auch Gesellschafter einer audiovisuellen Medien Produktionsfirma die im Werbebereich tätig ist. Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten dieses Berufes in Südtirol?

Markus Frings: Gute Ideen und Konzepte sind in der Werbebranche selbst in schwierigen Zeiten der Krise nach wie vor gefragt. Der bereits erwähnte Spürsinn für Bedürfnisse und Chancen ist dabei besonders wichtig. Wer dann noch ein über Jahre aufgebautes Netzwerk an Kontakten mitbringt, kann sicher etwas bewegen. Auch wenn es derzeit am Werbemarkt wenig rosige Aussichten gibt.

Karin Schroeck-Singh: Gibt es eine besonders erinnerungswürdige (positive oder negative) Episode aus Ihrer so vielfältigen Tätigkeit, die Sie gerne den Lesern mitteilen möchten? 

Markus Frings: Da tue ich mich schwer eine einzige herauszustreichen. Ich denke mit Erfahrungen ist es so wie mit menschlichen Begegnungen: beonders gute vergisst man nie und diese kann man an beiden Händen abzählen. Dann gibt eben auch jene die man eigentlich lieber vergessen würde. Aber alle zusammen machen am Ende das große Ganze aus und darauf kommt es an. Ich denke oft an interessante Interviews mit bekannten und weniger bekannten Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Doch eines herauszustreichen, fällt mir wirklich schwer.

Karin Schroeck-Singh: Nehmen wir an man würde Sie bei der Auswahl eines Radio- und TV-Journalisten (in einem Vorstellungsgespräch) zu Rate ziehen. Welche 5 fachspezifischen Fragen würden Sie einem Bewerber stellen um den besten Kandidaten zu ermitteln?

Markus Frings: Ich würde ihm/ihr eine Aufgabe geben. Zum Beispiel einen Bericht über ein Ereignis zu verfassen oder einen kurzen Fim über sich selbst zu drehen und zu schneiden. Egal was am Ende dabei rauskommt, es wird mehr Aufschluss über die Fähigkeiten der Person geben, als jedes Interview.

Karin Schroeck-Singh: Ja, da stimme ich Ihnen voll zu, besonders im Medienbereich sind visuelle Demos auf jeden Fall aussagekräftiger. Vielen Dank Herr Frings für Ihre Bereitschaft meinen Lesern so interessante Einblicke in Ihren Beruf zu gewähren. Ich weiβ Ihre kostbare Zeit sehr zu schätzen.

 

 

 

Author: Karin Schroeck-Singh

Karin Schroeck-Singh is a trilingual Career Optimizer at www.Careerheads.com. She has an MBA from the University of Leicester (UK) and gained 20 years of international work experience in various industries in Italy, the UK and India. Her passion lies in creating multilingual, high-quality content in career matters, giving highly engaging public speeches and helping job seekers to optimize their career by providing professional coaching. She is the author of several ebooks, among them “44 Tips for a successful Video Interview” (http://careerheads.com/product/ebook-44-tips-for-a-successful-video-interview/). She has written several career and business articles for international HR and Marketing companies. Her favourite motto is “Learn from anyone, anywhere, anytime!” Follow her on Twitter @CareerHeads.

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